Devil May Care (Screamo / Post-Hardcore aus Würzburg)

Sonntag 7. November 2021



Devil May Care (Screamo / Post-Hardcore aus Würzburg)

Diese Veranstaltung wird unter der 2G Regel durchgeführt.
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Devil May Care – „Divine Tragedy“


Am schlimmsten ist es, hilflos zu sein. Devil May Care blicken auf ihrem neuen Album „Divine
Tragedy“ tief in verschiedene Akte menschlicher Selbstzerstörung. Die elf Songs ihrer dritten
Studioplatte begleiten elf verschiedene Wege des Destruktiven, die ein umfassendes Werk
niederschmetternder Zeitgeschichte schaffen. Die Band bedient sich hierfür einer
beeindruckenden Palette an Referenzen und Einflüssen: Während sich die Struktur der
Platte an „Dantes Inferno“ orientiert und damit Literatur aus dem 14. Jahrhundert
einschließt, belegt die Band gleichzeitig, wie firm sie in ihrer Szene ist. Unterstützt wird der
brachiale Post-Hardcore des Albums so durch Feature-Parts von Szene-Größen wie Like
Pacific, Rising Insane, Venues und Sperling. Fans von Bring Me The Horizon, Architects oder
Polaris werden von Devil May Care umgehauen sein.
Wer in den letzten Jahren auch nur ab und zu einen Blick in die tagesaktuellen Medien
geworfen hat, der wird die zeitweise Unerträglichkeit an zerstörerischen Nachrichten zur
genüge kennen. Wir wissen seit Jahrzehnten vom Klimawandel, aber tun viel zu wenig
dagegen. Die Zahl der Drogentoten in Deutschland steigt seit einigen Jahren wieder. Und
auch in der mittlerweile lang anhaltenden Corona-Krise kommen wir kaum zu einem Ende,
weil wir nicht aus unseren Verfehlungen lernen. Es scheint angesichts dieses erschlagenden
Überflusses umso bemerkenswerter, dass Devil May Care es fertiggebracht haben, all diese
und noch viel mehr destruktive Verhaltensmuster auf einer einzigen Platte zu vereinen. „Wir
neigen dazu, die selben Fehler immer und immer wieder zu machen“, sagt Sänger Tim
Heberlein. „Ob es um eine toxische Liebe geht, von der man nicht wegkommt, oder ob wir
nach fremden Sternen greifen, die wir auf die gleiche Weise wieder befallen und zerstören
wie unsere Heimat. Alles wiederholt sich.“
Devil May Care sehen die Destruktion dabei im Großen wie im Kleinen. Der ruhelos bebende
Song „Outcry“ setzt sich so etwa mit der Zerstörung der Umwelt auseinander und beschreibt
damit eines der zentralsten Probleme der Menschheit. Die Band hat sich gerade für dieses
Thema bereits in der Vergangenheit immer wieder stark gemacht. Gitarrist Lukas Esslinger
ist Aktivist bei Sea Shepherd und wurde erst kürzlich vom Fernsehen mit der Kamera
begleitet, als er auf der Ostsee bei einem Einsatz für Schweinswale unterwegs war. Es
zeichnet Devil May Care allerdings auch aus, dass ihre Beschreibungen von Zerstörung gar
nicht immer riesige politische Dimensionen annehmen, sondern sich auch den Themen
widmen, die für jeden von uns persönlich eine riesige Bedeutung haben. Im Song „Delirium“,
in dem Rapper Johannes „Jojo“ Gauch von den Post-Hardcore-Durchstartern Sperling als
Gast zu hören ist, geht es so um die physische Selbstzerstörung durch Drogenkonsum. Das
sich dramatisch aufbäumende „Revelation“ wiederum kämpft mit der Selbstbehauptung in
einem menschlichen Umfeld, das stets gegen einen arbeitet. „Ein zerstörtes
Selbstwertgefühl ist mindestens so tödlich wie eine körperliche Erkrankung“, kommentiert
Heberlein den Hintergrund des Songs.
Devil May Care bringen es fertig, all die komplexen und vielfältigen Kapitel ihrer Platte zu
bündeln, indem sie sich uralte Literatur zum Vorbild nehmen. „In Dantes Göttlicher Komödie
wird der Abstieg in die Hölle beschrieben“, erläutert Heberlein die sehr ungewöhnliche
Inspiration. „Die Hauptfigur durchläuft neun Höllenkreise, die überwunden und durchlebt
werden müssen, bevor man im Fegefeuer endet. Metaphorisch, strukturell und lyrisch haben wir diesen Abstieg in die Hölle auf die Zerstörung der Menschheit übertragen. Beschrieben
werden also elf Stadien, nach denen ein einzelnes Menschenleben beziehungsweise die
Menschheit in ihrer Gesamtheit erlischt.“ Bewältigen müssen Devil May Care diese Reise
dabei nicht allein. Auf „Divine Tragedy“ ist eine beeindruckende Menge an hochkarätigen
Feature-Gästen zu hören, die das äußerst versierte und brachiale Spiel der Band noch um
zahlreiche Facetten erweitern. Die Erfolgssingle „Painter“ ist zum Beispiel eine
Zusammenarbeit mit den Metalcore-Durchstartern Rising Insane und kann bis heute über
250.000 Plays allein auf Spotify verzeichnen. Das hymnische „Tragedy“ enthält wiederum
einen Gastpart der Stuttgarter Band Venues und im melodisch bebenden „Dayblind“ geben
sich Like Pacific die Ehre.
Devil May Cares drittes Album erweist sich so als ungeheuer facettenreicher und schwer zu
schluckender Trip, den man erstmal verdauen muss. Wer mitgeht, wird mit einer der
vielschichtigsten und mitreißendsten Post-Hardcore-Platten der letzten Jahre belohnt, auf
dem sich nicht ohne Grund ein prominentes Kollektiv an Szene-Größen versammelt hat. Ein
Album, vor dem man eigentlich weglaufen will – aber bei dem es gerade deswegen umso
wichtiger ist, dass wir ganz genau hinhören.
„Divine Tragedy“ erscheint am 05. November 2021 via Uncle M Music sowohl digital als auch
auf CD und LP. Die auf 500 Stück limitierte Vinyl-Erstauflage erscheint in 3 exklusiven Farben
und ist über den Band-eigenen Shop auf www.uncle-m.com/shop erhältlich.

Einlass: 17.00 Uhr
Beginn: 18.00 Uhr
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